Hufrehe beim Pferd: Ursachen, Symptome und Prävention
Hufrehe zählt zu den schwerwiegendsten und schmerzhaftesten Erkrankungen des Pferdes. Lange galt sie hauptsächlich als Folge von Fütterungsfehlern im Frühjahr. Heute zeigen aktuelle tiermedizinische Erkenntnisse, dass Hufrehe oft auch das Ergebnis komplexer Stoffwechselstörungen ist.
Entscheidend für den Verlauf ist vor allem eines: frühes Erkennen und schnelles Handeln. Noch besser ist es, Hufrehe gar nicht erst entstehen zu lassen.
Was genau ist Hufrehe?
Bei der Hufrehe entzündet sich die Huflederhaut beziehungsweise der Lamellenapparat im Inneren des Hufes. Durch Entzündungsprozesse und gestörte Durchblutung verliert das Hufbein zunehmend seinen Halt. Der starke Druck innerhalb der starren Hornkapsel verursacht erhebliche Schmerzen.
Bleibt die Erkrankung unbehandelt, kann sich das Hufbein rotieren oder absinken. In schweren Fällen droht sogar ein Hufbeindurchbruch.
Tiermedizinisch wird heute zwischen:
- Vorläuferstadium
- akuter Hufrehe
- chronischer Hufrehe
unterschieden. Bereits wenige Stunden können entscheidend für den weiteren Verlauf sein.
Welche Ursachen lösen Hufrehe aus?
Hufrehe entsteht selten durch nur einen einzelnen Faktor. Häufig greifen mehrere Ursachen ineinander.
Stoffwechselstörungen und Insulinresistenz
Die häufigste Form ist mittlerweile die endokrin bedingte Hufrehe.
Besonders betroffen sind:
- leichtfuttrige Pferde und Pony
- Ponys
- übergewichtige Pferde
- Pferde mit EMS (Equinem Metabolischen Syndrom) oder PPID (Cushing-Syndrom)
Typische Warnzeichen:
- Fettdepots am Mähnenkamm
- Fettpolster an Schulter oder Schweifrübe
- Bewegungsmangel
- starkes Übergewicht
Zusammenhang zwischen Temperatur und Fructangehalt des Grases
| Wetterlage | Fructangehalt im Gras | Risiko für rehegefährdete Pferde |
|---|---|---|
| Warme Nächte über 10 °C | eher niedrig | gering |
| Sonnige Tage + kalte Nächte unter 5 °C | sehr hoch | hoch |
| Frostige Nächte + Sonne am Morgen | extrem hoch | sehr hoch |
| Trockenstress oder kurzes Stressgras | erhöht | hoch |
| Bewölktes Wetter mit konstanten Temperaturen | moderat | mittel |
Achtung: Vor allem kurzes, stark abgefressenes Weidegras enthält häufig hohe Zuckerwerte und wird unterschätzt.
Weitere mögliche Ursachen
Fütterungsfehler
- große Mengen Kraftfutter
- plötzliche Futterumstellungen
- zuckerreiche Leckerlis
- verdorbenes oder schimmeliges Futter
Belastungsrehe
Langes Stehen oder Arbeiten auf hartem Boden sowie starke Überlastungen einzelner Gliedmaßen können die Durchblutung im Huf beeinträchtigen.
Vergiftungen und Entzündungen
Auch Giftpflanzen, schwere Infektionen, Nachgeburtsverhalten oder toxische Belastungen können Hufrehe auslösen.
Symptome - Woran erkenne ich Hufrehe?
Die ersten Anzeichen sind häufig unspezifisch und werden leicht übersehen.
Frühe Symptome
- vorsichtiger oder klammer Gang
- häufiges Entlasten einzelner Hufe
- Wendeschwierigkeiten
- warme Hufe
- verstärkte Pulsation der Zehenarterien
- fühliges Laufen auf hartem Boden
Viele Pferde wirken zunächst lediglich „steif“ oder unwillig.
Typische Symptome eines akuten Hufreheschubs
- deutliche Lahmheit starke Schmerzen
- typische Sägebockhaltung
- vermehrtes Liegen
- heiße Hufe
- Pulsieren der Hufarterien
Besonders schmerzhaft sind enge Wendungen und harter Untergrund.
Was ist bei einem Hufreheschub zu tun?
Hufrehe ist immer ein tiermedizinischer Notfall!
Sofortmaßnahmen
- Tierarzt sofort verständigen
- Pferd nicht unnötig bewegen
- Weidegang sofort beenden
- Kraftfutter und zuckerreiche Futtermittel absetzen
- Nur zuckerarmes Heu anbieten
- Hufe konsequent kühlen
Kühlung der Hufe
Aktuelle Studien zeigen, dass frühzeitige und dauerhafte Kühlung die Schäden an den Huflamellen deutlich reduzieren kann. Bewährt haben sich:
- Eiswasser
- Kühlgamaschen
- Coolbandagen
Besonders in den ersten 24 bis 72 Stunden kann intensive Kühlung entscheidend sein.
Entlastung der Hufe
Weiche, elastische Untergründe reduzieren den Druck auf die geschädigten Strukturen im Huf. Sinnvoll sind:
- weich eingestreute Liegeflächen
- elastische Stallmatten
- stoßdämpfende Böden.
Stallmatten können helfen, die Belastung der Huflederhaut zu verringern und das Stehen für das Pferd deutlich angenehmer zu machen.
Tierarzt rufen!
Hufrehe ist ein akuter Notfall und muss sofort behandelt werden. Schnelles Handeln kann schwere Schäden am Huf verhindern. Der Tierarzt kontrolliert Gangbild, Schmerzreaktion, Wärme und Pulsation der Hufe. Die Behandlung umfasst in der Regel:
- Schmerzmittel und Entzündungshemmer
- Möglicherweise Entlastung der Hufstrukturen
- Tipps zu Anpassung von Fütterung und Haltung
Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Heilungschancen!
Prävention - Damit Hufrehe gar nicht erst entsteht
Die wichtigste Maßnahme ist konsequentes Stoffwechselmanagement.
Gewicht kontrollieren
Übergewicht zählt zu den größten Risikofaktoren. Regelmäßige Gewichtskontrolle und angepasstes Fütterungsmanagement sind entscheidend.
Kontrollierte Fütterung
Rehegefährdete Pferde benötigen:
- energiearmes Grundfutter
- strukturreiche Rationen
- begrenzte Zucker- und Stärkeaufnahme
Hilfreich sind:
- analysiertes Heu
- begrenzte Weidezeiten
- engmaschige Heunetze
- Heu waschen
Ein engmaschiges Heunetz verlängert die Fressdauer und verhindert große Futterspitzen, wodurch Stoffwechsel und Verdauung entlastet werden.
Fressbremsen
Fressbremsen helfen dabei, die Grasaufnahme deutlich zu reduzieren, ohne vollständig auf Weidegang und Sozialkontakt verzichten zu müssen. Gerade in Zeiten hoher Fructanwerte können sie eine wichtige Unterstützung im Rehemanagement sein.
Wichtig sind:
- gute Passform
- regelmäßige Zahnkontrolle
- langsame Gewöhnung
Hufpflege und Bewegung
Wichtig ist eine fachgerechte Hufbearbeitung, damit keine zusätzlichen Fehlbelastungen entstehen.
Angepasste und regelmäßige Bewegung unterstützt den Stoffwechsel und kann helfen, Übergewicht vorzubeugen. Dabei ist auf ein kontrolliertes Training zu achten, das dem Gesundheitszustand des Pferdes entspricht.
Abwechslungsreiche Arbeit mit Stangen oder Cavalettis fördert zusätzlich Koordination, Muskulatur und Beweglichkeit, ohne monotone Belastungen zu erzeugen.
Fazit
Hufrehe ist keine reine Frühjahrserkrankung, sondern eine komplexe Stoffwechsel- und Huferkrankung mit teils lebenslangen Folgen. Moderne Forschung zeigt deutlich, wie eng Ernährung, Hormonsystem und Hufgesundheit miteinander verbunden sind.
Entscheidend sind:
- frühes Erkennen
- konsequente Fütterungskontrolle
- angepasstes Weidemanagement
- Gewichtskontrolle
- schnelles Handeln im Akutfall
Unterstützende Maßnahmen wie Fressbremsen, engmaschige Heunetze, kühlende Coolbandagen und stoßdämpfende Stallmatten können helfen, das Risiko für Hufrehe zu reduzieren und betroffene Pferde während eines Reheschubs gezielt zu entlasten.